We have detected that cookies are not enabled on your browser. Please enable cookies to ensure the proper experience.
Results 1 to 25 of 34

Hybrid View

  1. #1

    Idhor Gidinn o Hedhil - Kleine Elbenkunde

    IDHOR GIDINN O HEDHIL

    KLEINE ELBENKUNDE



    LEHRREICHES UND WISSENSWERTES
    ÜBER DIE ERSTGEBORENEN KINDER ILÚVATARS



    ♦ ♦ ♦


    "Elves, sir! I would dearly love to see them.
    Couldn't you take me to see Elves, sir, when you go?"
    Samwise Gamgee, The Fellowship of the Ring, p. 73


    ♦ ♦ ♦



    Inhaltsübersicht

    Vorbemerkung über Inhalts- und Geschichtstreue

    I. Über Wesen und Wesensart der Elben
    1. Über Hröa, Erscheinung und Physis
    2. Über Fëa, Geist und Seele
    a) Über Ósanwe, die Verständigung in Gedanken (Threadseite 2, Post #30)
    3. Über Unsterblichkeit und Unzertrennlichkeit
    4. Über Gesinnung und Weltanschauung

    II. Über Völker und Geschichte der Elben
    1. a) Über die Legende vom Erwachen der Elben (Threadseite 3, Post #33)
    1. (b) Über Wanderungen und Sonderungen der Elbenvölker
    2. Über die Vanyar
    3. Über die Noldor
    4. Über die Sindar
    5. Über die Tawarwaith
    6. Über die Avari
    7. Über die Peredhil

    III. Über Reiche und Zufluchten der Elben
    1. Über das Reich von Lindon
    a) Über die Ruinen von Edhelion (Threadseite 2, Post #23)
    2. Über das Reich von Lórien
    3. Über das Waldlandreich
    4. Über die Zuflucht von Imladris
    Bruchtal - Exkurs und Exkursion (Threadseite 2, Post #25)
    5. Über den Hafen von Edhellond
    6. Über die Zuflucht von Lin Giliath (Threadseite 2, Post #24)

    IV. Über Namen und Namensgebung der Elben
    1. Über Namensarten und Namensgeber
    2. Über männliche Namen im Sindarin
    3. Über weibliche Namen im Sindarin

    V. Über Dieses und Jenes
    1. Über die Gefährtensuche auf Grauelbisch (Threadseite 2, Post #27)

    Anhänge über Abkürzungen und Quellen
    Last edited by Macarusca; Sep 18 2011 at 07:28 AM.

  2. #2

    Idhor Gidinn o Hedhil - Kleine Elbenkunde

    Vorbemerkung über Inhalts- und Geschichtstreue

    Suilad, mellyn! Pedo o Hedhil! - (S.) Seid gegrüßt, Freunde, lasst uns über die Elben sprechen!

    Wer aber sind die Elben, fragt ihr? Die Tolkien'schen Elben, von denen hier ausschließlich die Rede sein soll, sind ihres Schöpfers idealisierte Vision eines edlen Volkes, moralisch überhöht, schöpferisch und ästhetisch überlegen, trotz ihrer Schwächen insgesamt verantwortungsvoll und gut, erhaben und schön, in deren Stimmen mehr Melodie erklingt als in denen jedes anderen Geschöpfes, die älteren Kinder der Welt, das Sternenvolk.
    Tolkien hat die Elben ausgestaltet wie kein anderes der freien Völker Mittelerdes. Ihre Wesens- und Eigenarten, ihre Sprachen und ihre Geschichte hat er in nahezu unerschöpflicher Fülle erdacht. Es ist daher zwar nicht unbedingt einfach, einen Elben Tolkien-gerecht zu verkörpern, doch besteht gerade darin der Reiz für jeden Elbenliebhaber. Als Kunde und Kompendium möchte die Idhor Gidinn o Hedhil (S. kleine Weisheit die Elben betreffend) all denen, die sich entschieden haben, in LOTRO einen elbischen Charakter zu spielen, die Grundlagen und wichtigsten Besonderheiten des Elbentums nahebringen.

    Der Aufbau der Idhor Gidinn o Hedhil orientiert sich an der wahrscheinlichen Reihenfolge der Überlegungen, die ein Spieler über seinen zukünftigen Charakter anstellt. Im Groben umfasst der Leitfaden vier Teile: Zu Beginn findet sich eine Beschreibung dessen, was alle Elben miteinander verbindet und sie von den übrigen freien Völkern, insbesondere den Menschen unterscheidet (siehe hierzu I. Über Wesen und Wesensart der Elben). Dieser erste Teil soll dabei helfen, die Entscheidung für einen Elben zu festigen, oder aber die Wahl noch rechtzeitig zu verwerfen. Ist der positive Entschluss gefasst, folgt die Frage, welchem der Elbenvölker der Charakter angehört (siehe hierzu II. Über Völker und Geschichte der Elben). Die Wahl seines Volkes ist zwar nicht allein, doch in vielerlei Hinsicht mitbestimmend für eines Elben Herkunft, bisherige Lebensgeschichte und gegenwärtige Heimat (siehe hierzu III. Über Reiche und Zufluchten der Elben), und schließlich vielleicht sogar für seinen Namen (siehe hierzu IV. Über Namen und Namensgebung der Elben).

    Elfen hingegen werden hier nicht behandelt, und das aus gutem Grunde, führt dieses nur in einem einzigen Buchstaben verschiedene Wort doch zu einer Assoziation, vor der es Tolkien allzeit graute - einem Bild von kleinen, schmetterlingsartigen Feenwesen, mit denen seine Elben nicht das Geringste gemein haben. Nachdem er die ersten Übersetzungen seines Herrn der Ringe ins Holländische und Schwedische an vielen Stellen als misslungen befand, entschloss sich Tolkien, die weitere Internationalisierung seines Werks mit einer Übersetzungsanleitung gewissermaßen präventiv zu unterstützen. In Bezug auf Elben schrieb er darin Folgendes:

    J. R. R. Tolkien - Guide to the Names in The Lord of the Rings,
    Entry for Elven-Smiths

    Elven-smiths. Translate. The archaic adjectival or composition form elven used in The Lord of the Rings should on no account be equated with the debased English word elfin, which has entirely wrong associations. [...]
    With regard to German: I would suggest with diffidence that Elf, elfen are perhaps to be avoided as equivalents of elf, elven. Elf is, I believe, borrowed from English, and may retain some of the associations of a kind that I should particularly desire not to be present (if possible): for example those of Drayton or of A Midsummer Night's Dream (in the translation of which, I believe, Elf was first used in German). That is, the pretty, fanciful reduction of 'elf' to a butterfly-like creature inhabiting flowers.
    I wonder whether the word Alp (or better still the form Alb, still given in modern dictionaries as a variant, which is historically the more normal form) could not be used. It is the true cognate of English elf; and if it has senses nearer to English oaf, referring to puckish and malicious sprites, or to idiots regarded as 'changelings', that is true also of English elf. I find these debased rustic associations less damaging than the 'pretty' literary fancies. The Elves of the 'mythology' of The Lord of the Rings are not actually equatable with the folklore traditions about 'fairies', and as I have said (III 415) I should prefer the oldest available form of the name to be used, and left to acquire its own associations for readers of my tale. In Scandinavian languages alf is available.
    Margaret Carroux beherzigte in der deutschen Erstübersetzung die mythologische Einzigartigkeit der Tolkien'schen Elben, obgleich sie statt der Vorschläge 'Alp' oder 'Alb' eben 'Elb' wählte. Seitdem sind es also die Elben, der Elb, die Elbin (nicht etwa Elbe, auch wenn dies nicht nur der Name eines Flusses, sondern tatsächlich eine mögliche weibliche Form ist, die aber im Tolkien-Kontext niemals Verwendung fand) oder das elbische Volk, über die wir sprechen.

    Die Idhor Gidinn o Hedhil ist jederzeit um Authentizität bemüht, also um die Wahrung des Tolkien'schen Originals und damit um das, was gemeinhin als Lore-Konformität bezeichnet wird und häufiges Argument vieler einschlägiger Diskussionen über die Grenzen rollenspielerische Freiheit ist.
    Dabei ist allerdings zum Einen zu bedenken, dass Werk und Welt Tolkiens trotz ihrer schier unendlichen Detailfülle der Phantasie jedes Mittelerdereisenden noch immer viele Freiräume der Ausgestaltung bieten. Zum Anderen ist zu berücksichtigen, dass Turbine als Hersteller von LOTRO und Lizenznehmer von Middle-Earth Enterprises bereits ausgiebigen Gebrauch von dieser Ausgestaltungsmöglichkeit gemacht und damit Tolkiens Original erweitert und gleichzeitig auch variiert hat. Die Spielercharaktere befinden sich genaugenommen also nicht mehr in Tolkiens, sondern in Turbines auf Tolkiens Werk basierender Welt. Der strengen Lizenz und dem Erfindungsreichtum und Einfühlungsvermögen von Turbines Lorekennern wie Berephon ist es zu verdanken, dass die Unterschiede zwischen originaler und ergänzter Welt sporadisch und meist begrenzt bleiben.
    Die festen Grundlagen dieses Leitfadens sind demnach sowohl das Original als auch Turbines Hinzufügungen. Alle darüber hinaus bestehenden unentschiedenen Fragen werden nach bestem Wissen unter Wahrung des Originals wie folgt beantwortet: Das gemäß Tolkien ausdrücklich Unmögliche ist unmöglich, das lediglich Unwahrscheinliche hingegen möglich. All solch abstrakter Einteilung zum Trotze verbleiben fließende Grenzen und Streitfälle, bezüglich derer Diskussion und Austausch von Quellen und Nachweisen jederzeit willkommen sind.
    Die Quellenangeban dieser Elbenkunde, sofern es sich dabei nicht um vollständige Zitate handelt, bestehen aus Buchstabenkürzeln mit angefügter Seitenzahl. Sie stehen immer denjenigen Texten voran, welchen es als Nachweis dienen, beispielsweise leitet [SIL123] einen Text auf der Grundlage des Silmarillion, S. 123 ein. Eine Übersicht aller Kürzel sowie eine Literaturübersicht der verwendeten Buchausgaben findet sich am Ende der Idhor Gidinn o Hedhil (siehe hierzu die Anhänge).

    Abschließend sei auf zwei dieser Elbenkunde ähnliche Texte hingewiesen, deren Lektüre jedem elbisch interessierten Leser zweifellos ebenso lehrreich wie erquicklich ist: Dabei handelt es sich zum Ersten um 'Was sollte ich wissen, wenn ich einen Elben spiele?' von Tevildo, veröffentlicht 2008 im Codemasters LOTRO-Forum sowie zum Zweiten um den 'Gûr Edhellen' von Andarne, veröffentlicht 2010 ebenda sowie 2011 unter dem Namen Glingaeron im Turbine LOTRO-Forum.

    Besten Dank an Silanwen für Hinweise und Berichtigungen.

    Nun aber genug der Vorrede, viel Vergnügen bei der Lektüre sowie danach im Spiel!
    Last edited by Macarusca; Jul 09 2011 at 10:23 AM.

  3. #3

    Idhor Gidinn o Hedhil - Kleine Elbenkunde

    I. Über Wesen und Wesensart der Elben

    Der folgende Textauszug ist sicherlich jedem mehr oder minder vertraut - die äußerst knapp gehaltene aber nicht unzutreffende Beschreibung der Elben aus dem LOTRO-Spielehandbuch soll diesen Abschnitt eröffnen und dem Leser einleitend das ganz elementare Grundwissen über die Elben Mittelerdes vergegenwärtigen.

    Turbine & Codemasters - Der Herr der Ringe Online, Handbuch,
    Erstellen eines Charakters - Elb, S. 14

    ELB (startet in Edhelion)
    Stark und groß, gerecht und würdevoll, besitzen Elben scharfe Sinne und eine tiefe Zuneigung zur Schönheit der natürlichen Welt, die sie umgibt. Über alle Zeitalter hinweg sind die Taten und Kämpfe der noblen Elbenrasse eng mit der Geschichte Mittelerdes verbunden. Elben altern nicht wie andere Rassen. In Mittelerde leben heute noch Elben, die sich an ihre Jugendjahre während des Ersten Zeitalters erinnern. Sie erinnern sich nur zu gut an die Zerstörungen, mit der die Flut des Bösen einst das Land verdunkelte - ein Schatten, der sich jetzt wieder über Mittelerde zu legen droht. In den vergangenen Zeitaltern teilten sich die Elben in viele verschiedene Gruppen und siedelten sich über ganz Mittelerde verstreut an, in erster Linie aber in uralten Waldreichen, in denen sie auch heute noch leben.
    Im Spiel zeichnen sich Elbencharaktere durch erhöhte Beweglichkeit und Widerstände gegen Krankheit und Gift aus, ihre Bestimmung, Moral und deren Regeneration außerhalb von Kämpfen jedoch sind verringert.
    Dieser erste Eindruck lässt sich am Besten vertiefen, indem man ihm ein bekanntes Vergleichsobjekt hinzugesellt, anhand dessen Besonderheiten und Unterschiede, aber auch Übereinstimmungen leichter erkennbar werden - den Menschen. Und wenn wir zu Beginn feststellen: Elben sind wie Menschen - nur anders, dann beinhaltet diese Aussage mehr an Wahrheit, als man zunächst vermuten mag; denn ganz grundsätzlich sind Elben und Menschen nach biologischem Verständnis von derselben Art und können gemeinsame Nachkommen haben (zu den besonderen Umständen und Voraussetzungen solcher Verbindungen und den Halbelben siehe später).

    J. R. R. Tolkien - Morgoth's Ring,
    Part Four - Athrabeth Finrod ar Andreth, Commentary, S. 330

    The existance of Elves: that is of a race of beings closely akin to Men, so closely indeed that they must be regarded as physically (or biologically) simply branches of the same race.

    J. R. R. Tolkien - Briefe,
    Nr. 153 - An Peter Hastings (Entwurf), S. 250

    Elben und Menschen sind in biologischer Hinsicht offenbar eine Art, sonst könnten sie nicht zusammen fruchtbare Nachkommen erzeugen - nicht einmal in seltenen Fällen: [...]
    Die folgenden vier Abschnitte widmen sich zunächst den körperlichen, dann den geistigen Fertigkeiten der Elben, danach der Eigenart ihrer Existenz und schließlich ihrer Ethik und Gesinnung.


    1. Über Hröa, Erscheinung und Physis

    Unter Hröa (Q. Körper, Leib) verstehen die Elben die körperliche Gestalt. Hröa ist einerseits stoffliche Grundlage allen physischen Wirkens, andererseits Hülle und Haus der Seele (zur Verbindung von Hröa und Fëa siehe unten I. 3.). Betrachten wir zu Beginn also die körperliche Entwicklung und Eigenschaften der Elben: [MOR208] Ihr Wachstum geht, verglichen mit dem der Menschen, langsamer vonstatten, doch ihr Geist entwickelt sich rascher. Die Kinder der Elben vermögen zu sprechen, bevor sie ihr erstes Lebensjahr (in der Jahreszählung der Menschen) vollendet haben, ebenso können sie zu diesem Zeitpunkt bereits laufen und tanzen, da ihr starker Wille sie zu früher Meisterschaft über ihren Körper befähigt. Nach drei Lebensjahren werden die körperlichen Unterschiede zwischen Elben- und Menschenkindern deutlich, denn während letztere noch vor dem 20. Lebensjahr ausgewachsen sind, erreichen die Elben erst nach 50, oft sogar erst nach 100 Jahren ihre endgültige Größe und Statur.
    [ROK415] Von Gestalt sind Elben ebenso erhaben wie schön anzusehen, ihre Stimmen sind melodiös und ihre Aussprache klangvoll. [MOR341] Es mangelt ihnen weder an Ausdauer noch an [HFN10] beidhändigem Geschick, sie erfreuen sich scharfer Sinne, eines [WTJ416] ausgezeichneten Sehvermögens und Gehörs, [MOR219][MOR341] und sind mit enormer Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten oder Kälte gesegnet. So heißt es über die Eldar im Allgemeinen und Glorfindel und Legolas im Besonderen:

    J. R. R. Tolkien - The Fellowship of the Ring,
    Book Two, I. - Many Meetings, S. 239

    Glorfindel was tall and straight; his hair was of shining gold, his face fair and young and fearless and full of joy; his eyes were bright and keen, and his voice like music; on his brow sat wisdom, and in his hand was strength.

    J. R. R. Tolkien - Das Buch der Verschollenen Geschichten, Teil 2,
    VI. - Ælfwine aus England, S. 335 f.

    Jene Elben, die in späteren Zeitaltern der Welt in den Großen Landen lebten, waren großgewachsen und kraftvoll: nichts Zartes oder Durchscheinendes haftete den heldenhaften und majestätischen Eldar des Dritten Zeitalters in Mittelerde an. [...] Er [Legolas] war groß wie ein junger Baum, schlank, außerordentlich kräftig, in der Lage, blitzschnell einen großen Kriegs-Bogen zu spannen und einen Nazgûl niederzustrecken, ausgestattet mit der enormen Lebenskraft elbischer Körper; er war so abgehärtet und unempfindlich für Wunden, dass er, nur mit leichten Schuhen bekleidet, über Felsen und durch Schnee ging, er war der unermüdlichste aller Gefährten.
    [ROK416] Was ihre Hautfarbe betrifft, so neigen die Elben zur Blässe. Soweit sich ihre Augen- und Haarfarben überhaupt generalisieren lassen (vgl. unten über die Völker der Elben im Einzelnen), so sind ihre Augen überwiegend grau, ihr Haar mit Ausnahme des goldfarbenen der Vanyar oder des silberfarbenen einiger Sindarfürsten ist dunkel oder sogar schwarz.
    Ein Weiteres unterscheidet Elben und Menschen - erstere sind bartlos [HOB61] und können sich sogar köstlich über Bartträger, insbesondere Zwerge amüsieren.

    J. R. R. Tolkien - Nachrichten aus Mittelerde,
    Teil Zwei, IV. - Die Geschichte von Galadriel und Celeborn und von Amroth, König von Lórien, S. 332

    [...] findet sich eine Erörterung der elbischen Eigenart der Bartlosigkeit bei Menschen, die von Elben abstammen (ein Charakteristikum aller Elben war eben ihre Bartlosigkeit).
    Hier gerät der aufmerksame Tolkien-Leser vermutlich ins Grübeln, wenn er sich an [ROK310] Círdans langen Bart erinnert. Glücklicherweise handelt es sich bei diesem Widerspruch jedoch nicht um eine von Tolkiens Revisionen seines eigenen Werkes, von denen die endgültig gewollte Fassung nicht immer leicht zu ermitteln ist, sondern schlicht um die Ausnahme einer Regel. Tatsächlich sind nicht alle Elben bartlos. Die wahren Senioren unter den Erstgeborenen - und Círdan ist im ausgehenden Dritten Zeitalter einer der ältesten, wenn nicht gar der älteste bekannte Elb Mittelerdes - können ausnahmsweise bärtig sein.
    Und der Alkohol? Wie steht es um der Elben Trinkfestigkeit? Verspüren sie tatsächlich nur ein leichtes Kribbeln nach dem Konsum einer Wagenladung voller Bierkrüge, wie Legolas in P. Jacksons Interpretation eines Trinkwettstreits mit Gimli? Mumpitz, dennoch mit einem Körnchen Wahrheit. Über Legolas' Vater Thranduil und die Trinkgewohnheiten seines Volkes jedenfalls heißt es:

    J. R. R. Tolkien - Der kleine Hobbit,
    Fässer Unverzollt, S. 204, 206

    Da standen Fässer, Fässer und abermals Fässer, denn die Waldelben, und besonders ihr König, waren ganz versessen auf Wein - [...] Bald fingen sie [der Kellermeister und der Befehlshaber der Wache] an zu trinken und fröhlich zu lachen. Bilbo hatte ganz besonderes Glück, denn es muss schon ein sehr starker Wein sein, der Waldelben schläfrig macht. Aber dieser Wein, so schien es, war eine berauschend zu Kopf steigende Lese aus den großen Gärten von Dorwinion und nicht für des Königs Soldaten und Diener bestimmt, sondern einzig und allein für den König selbst - und außerdem für kleinere Karaffen und nicht für des Kellermeisters großen Krug.
    Von nahezu vollständiger Immunität kann demnach keine Rede sein - doch erscheint eine leicht überdurchschnittliche Alkoholtoleranz angesichts der allgemein erhöhten Widerstands- und Selbstheilungskräfte des elbischen Hröa durchaus nachvollziehbar. Weinkenner und -liebhaber übrigens wissen: Weißer und roter Dorwinion wird in Bruchtal in der Halle des Feuers ausgeschenkt.
    Keine Beschreibung von Tolkiens Elben wäre vollständig ohne eine Stellungnahme zur Frage, ob das elbische Ohr spitz ist oder nicht. Als positive Beweise dienen den Befürwortern der Spitzohrigkeit, unter ihnen die britische Tolkien Society, gewöhnlich zwei Quellen, die nachfolgend zitiert seien:

    J. R. R. Tolkien - The Lost Road,
    Part Three - The Etymologies, S. 367 f.

    LAS¹- *lassē leaf: Q lasse, N lhass; Q lasselanta leaf-fall, autumn, N lhasbelin (*lassekwelēne), cf. Q Narquelion [KWEL]. Lhasgalen Greenleaf, Gnome name of Laurelin (Some think this is related to the next and *lassē 'ear'. The Quendian ears were more pointed and leaf-shaped than [?human].)

    J. R. R. Tolkien - Briefe,
    Nr. 27 - An die Houghton Mifflin Company, S. 49 f.

    Ich stelle mir sein [Mr. Beutlins] Äußeres als ziemlich menschlich vor, nicht als eine Art Märchenhase, wie manche britischen Rezensenten offenbar meinen: ein bißchen kurzbeinig und in der Mitte rundlich. Ein rundes, biederes Gesicht, die Ohren nur ein klein wenig spitz und »elbisch«, das Haar kurz und kraus (braun).
    Ohne zu verschweigen, dass diese grundlegende morphologische Frage durchaus nicht unumstritten ist, geht die Idhor Gidinn o Hedhil im Einklang mit besagten Quellen von einer leicht spitz zulaufenden Blattform elbischer Ohren aus.

  4. #4

    Idhor Gidinn o Hedhil - Kleine Elbenkunde

    2. Über Fëa, Geist und Seele

    Jedem lebendigen Hröa wohnt Fëa (Q. Geist, Seele) inne (ausführlicher siehe unten I. 3.). [MOR349] Fëa ist nach elbischem Verständnis die Seele eines Geschöpfs, der entleibte, aller stofflichen Grundlage ledige und als solcher unzerstörbare reine Geist, sich seiner selbst bewusst und Quelle der gedanklichen und der Willenskraft. Dabei handelt es sich um einen Impuls und Antrieb des Geistes, nicht aber um dessen Wissen, Inhalte der Gedanken, die Mentalität oder Gesinnung (siehe hierzu später, I. 4.). Dieser Abschnitt enthält nur solche Fertigkeiten, die Fëa unmittelbar entspringen.
    [MOR332] Die Bestimmung elbischer Fëar ist Erus Willen zufolge vor allem Entdeckung und Erschaffung der Schönheit in Werken, [BRF233][BRF311] sie sind daher den menschlichen in ästhetischer und schöpferischer Hinsicht überlegen.
    Besonders mächtige Elben verfügen ferner über die außergewöhnliche Gabe, sich nur im Geiste und ohne hörbaren Laut untereinander zu verständigen (hierzu ausführlicher unter I. 2. a) Über Ósanwe, Threadseite 2, Post #30). So halten Celeborn und Galadriel in Eregion langen telepathischen Rat mit Elrond und Gandalf, bevor ihre Wege sich trennen.

    J. R. R. Tolkien - The Return of the King,
    Book Six, Ch. VI - Many Partings, S. 263

    If any wanderer had chanced to pass, little would he have seen or heard, and it would have seemed to him only that he saw grey figures, carved in stone, memorials of forgotten things now lost in unpeopled lands. For they did not move or speak with mouth, looking from mind to mind; and only their shining eyes stirred and kindled as their thoughts went to and fro.
    Auch die Kraft der nicht umfassend steuerbaren Ein- oder Voraussicht geht auf Fëa zurück, obgleich diese Gabe keineswegs ausschließlich bei Elben, dort vielleicht nur bei den Weisen und unter diesen wiederum eher bei Elbinnen als bei Elben ausgeprägt ist; so mag man zumindest eingedenk [MOR216] der Vergabe der sogenannten Mutternamen und [TFR377] der Geschichte von Galadriels Spiegel mutmaßen.
    [TFR235] Diejenigen Elben, welche einmal in den Unsterblichen Landen gelebt und das Licht der Bäume mit eigenen Augen gesehen haben, sind machtvoll und gegen den Schrecken der Schatten gefeit. Auf der 'anderen Seite' erstrahlen ihre Fëar in hellem Weiß. [ROK55] Doch auch jenen, die wie beispielsweise Legolas Valinor niemals betreten haben, ist die Furcht vor den Toten fremd.
    [MOR341] Die Kontrolle ihrer Fëar über ihre Hröar ist schließlich so umfassend, dass Elben durch bloßen Akt des eigenen Willens die natürliche Verbindung der Inkarnation zwischen beiden lösen können, mit anderen Worten: Sie können sich entschließen, zu sterben.


    3. Über Unsterblichkeit und Unzertrennlichkeit

    Die Kinder Ilúvatars, sowohl Elben als auch Menschen, besitzen Fëa und Hröa. Wohin die Fëar der Menschen schwinden, wenn sie ihren toten Leib verlassen, ist nicht bekannt. [MOR217] Eines Elben Fëa hingegen ist nach dem Plan Erus an Arda, die Welt und ihre Zeit gebunden und währt in ihr nur so lange, wie auch sie besteht. Bei den Elben offenbart sich diese besondere Bindung ihrer Fëar an die Welt allenthalben am deutlichsten in ihrer Unsterblichkeit, oder treffender ausgedrückt: Sind Elben einmal erwachsen, so sind sie gegen alle weitere Alterung gefeit. Denn wahrhaft unsterblich sind nur ihre Fëar, die Gefäße ihrer Inkarnation jedoch, ihre Hröar, sind verwundbar und vergänglich. Zwar stärkt die Kraft des ewigen Fëa jeden Hröa und verleiht ihm all die im ersten Abschnitt beschriebenen körperlichen Qualitäten. Geht aber ein Hröa, indem Gewalt ihm widerfährt, ganz und gar zugrunde, so wird der darin wohnende Fëa daraus vertrieben und zu Mandos' Hallen der Erwartung befohlen, wo er bis zum Ende Ardas verweilt oder aber nach seinem Wunsch eines Tages in neuem Hröa wiedergeboren und nach Mittelerde zurückkehren wird. Sehr selten kann es auch geschehen, dass eines Elben Fëa in Lebensmüdigkeit seinen gesunden Hröa verlässt und zu Mandos kommt, und solch selbst gefasster Entschluss ist niemals umkehrbar.

    [MOR225] Da ihre Fëar in Arda unvergänglich sind, so ist es für die Elben ganz und gar selbstverständlich, dass eine eheliche Verbindung ebenfalls unauflöslich und bis ans Weltende dauerhaft ist. Solch lebenslange Verbundenheit entspricht schlicht elbischer Natur und bedarf daher keinerlei moralischer oder sonstiger Normen, um sie zu gewährleisten (am Rande sei in diesem Zusammenhang betont, dass aus dem genannten Grund sowohl die Verkörperung eines elbischen Casanova als auch die einer elbischen Dirne unpassende Vermenschlichungen und nichts anderes sind als völliger Unsinn).
    Umso ratloser und verwirrter sind Elben, wenn der gewaltsame Tod eines Partners dieses eigentlich unzertrennliche Band vorübergehend zerreißt. Denn der Fëa des verschiedenen Partners ist nicht erloschen, sondern lediglich der Welt entrückt, und beide werden sich in Mandos' Hallen wieder begegnen. Daher wurde die Frage, ob dem jeweiligen überlebenden Partner dennoch eine zweite Verbindung gestattet ist, sogar unter den Valar zum strittigen Thema und Anlass für [MOR226][MOR254] Mandos' Spruch über Finwë und Míriel, auf den hier jedoch nicht näher eingegangen werden soll.


    4. Über Gesinnung und Weltanschauung

    Wie eingangs erwähnt sind Elben von grundsätzlich guter Gesinnung. Sie empfinden tiefe Ehrfurcht und Liebe für Arda und ihre Geschöpfe. Wie kein anderes der Völker Mittelerdes bekämpfen sie das Böse in Gestalt Melkors und Saurons. [SIL304] In der Schlacht von Dagorlad kämpften von jeder Art manche für die eine, andere für die anderen Seite, allein die Elben fochten ausnahmslos auf Seiten der freien Völker. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht betrogen und zum Übel verführt werden oder unter außergewöhnlichen Umständen größtes Unheil stiften könnten, wie die drei fürchterlichen von den Fëanori begangenen [SIL89] Sippenmorde von Alqualonde, [SIL246] Menegroth und [SIL256] den Sirionmündungen belegen. Ebensowenig lassen sich Untaten verblendeter Einzelner gänzlich ausschließen, bedenkt man die [SIL142] Geschichte Ëols und Maeglins, zweier der wohl schwärzesten Schafe unter den Elben. In keinem Fall aber verrichten die Elben Böses um seiner selbst willen, und [WTJ408] unter keinen Umständen dienen oder verbünden sie sich mit den dunklen Feinden. Wenn sie in ihrem Tun dennoch vom Pfad der Tugend abfallen, so geschieht dies unter der Folter oder in großer Furcht, oder aber sie wurden betrogen und wähnen sich auf denkbar sture Weise im Recht, sei es als im Ganzen verführtes oder eidgebundenes Volk oder als einzelner verschmähter Ehegatte.
    Nichtsdestoweniger verabscheuen sie von Natur aus alles Böse, und mehr noch - ihnen und ihren ureigenen Werken haftet eine Aura des Guten an, die aller übel gesinnten Kreatur Schmerzen zufügt oder sie vertreibt, wie es beispielsweise [TTT224] Gollum bei seiner Fesselung mit einem Elbenseil oder [TTT229] beim Kosten eines Bissens Lembas, des elbischen Wegbrots, widerfuhr.
    Wiederum auf die Menschen bezogen mag man es folgendermaßen ausdrücken: Während die Menschen sind, wie sie (und wir) sind, sind die Elben so, wie Tolkien die Menschen idealisierte, gewissermaßen eine Verkörperung menschlicher Tugenden und Vorzüge, den Orks als Verkörperung menschlicher Unarten und Laster gegenübergestellt. Tolkien selbst hat die elbische Verehrung der Natur und Schönheit als Aspekt und Wunschausschnitt des menschlichen Wesens folgendermaßen beschrieben:

    J. R. R. Tolkien - Briefe,
    Nr. 131 - An Milton Waldmann, S. 198

    [...] und ein wiederkehrendes Thema ist der Gedanke, dass in den Menschen (so wie sie heute sind) ein Tropfen jenes »Blutes« steckt, das von den Elben ererbt ist, dass Kunst und Poesie der Menschen weitgehend von diesem Erbe zehren oder davon abhängig sind.
    [Zugehörige Fußnote] Natürlich heißt das in Wirklichkeit bloß, dass meine »Elben« nur eine Deutung oder Darstellung eines Teils der menschlichen Natur sind [...]

    J. R. R. Tolkien - Briefe,
    Nr. 181 - An Michael Straight (Entwürfe), S. 310

    Die Elben vertreten sozusagen die artistischen, ästhetischen und rein wissenschaftlichen Aspekte der menschlichen Natur, auf einer höheren Stufe, als man es bei Menschen tatsächlich sieht. Das heißt: sie haben eine hingebungsvolle Liebe zur physischen Welt, ein Verlangen, sie um ihrer selbst willen zu verstehen, als etwas »anderes« - nämlich eine im gleichen Grad wie sie selbst von Gott abgeleitete Wirklichkeit -, nicht als brauchbares Material oder Macht-Basis.
    Wie aber verhalten Elben sich im Alltag, welchen Charakters sind und welchen Stimmungen unterliegen sie? Hierzu kann man getrost sagen, dass das elbische Empfinden mit dem der Menschen durchaus übereinstimmt, sie können fröhlich oder traurig, heiter oder ernst sein, dieser vielleicht mehr als jener. Dabei unterliegen sie keineswegs vorbestimmten Verhaltensmustern von Hoch- oder Schwermut. Bei den Elben ist allerdings zu bedenken, dass sie womöglich auf bereits hundert- oder gar tausendjährige, teilweise sehr schmerzvolle Erfahrungen zurückblicken, die ihre Persönlichkeit geprägt und [MOR210] ihnen einen Wesenszug verliehen haben, den sie selbst als die 'Bürde der Erinnerung' bezeichnen. [FTR238][HOB61] Nichtsdestoweniger und ganz unabhängig von ihrem Alter können Elben auch kindlich verspielt sein, fröhlich ausgelassen, mit allerlei Schabernack im Sinn und anderen damit zuweilen sogar gehörig auf die Nerven fallen.

    Diese allgemeine Beschreibung der Elben soll mit einer spezifisch elbischen Eigenart enden - mit der Sehnsucht der Erstgeborenen nach der See. Während natürlich auch viele Menschen große Liebe zum Meer hegen und zu berühmten Seefahrern werden, gesellt sich für jeden Elben noch etwas hinzu: Jenseits des Großen Meeres nämlich liegen seit jeher die unsterblichen Lande, und alle Eldar, ganz gleich, ob sie schon einmal dort gewesen sind oder nicht, verbinden mit dem äußersten Westen ein Gefühl von letzter Heimat und Bestimmung. In Gondor wird Legolas, der mit eigenen Augen niemals zuvor das Meer erblickt hatte, von dieser Sehnsucht ergriffen.

    J. R. R. Tolkien - The Return of the King,
    Book Five, Ch. IX - The Last Debate, S. 149

    'Look!' he [Legolas] cried. 'Gulls! They are flying far inland. A wonder they are to me and a trouble to my heart. [...] for their wailing voices spoke to me of the Sea. The Sea! Alas! I have not yet beheld it. But deep in the hearts of all my kindred lies the sea-longing, which it is perilous to stir. Alas! for the gulls. No peace shall I have again under beech or under elm.'
    [TTT106] Galadriel hatte ihm einen Vers der Warnung gesandt, dass dieses Fernweh, einmal erwacht, niemals mehr verlöschen wird. [ROK378] Und tatsächlich begibt auch Legolas sich, nachdem er noch 121 weitere Jahre in Mittelerde weilte und wirkte, zuletzt auf die letzte Große Reise in den Westen.
    Last edited by Macarusca; Sep 09 2011 at 09:16 PM. Reason: Ergänzende Hinweise v. Silanwen

  5. #5

    Idhor Gidinn o Hedhil - Kleine Elbenkunde

    II. Über Völker und Geschichte der Elben

    Die allgemein geläufigen Bezeichnungen Hochelben und Waldelben vermitteln bereits eine vage Vorstellung der Besonderheiten des jeweiligen Elbenvolks. So erscheinen Letztere natürlich als Waldbewohner, in ihrem Wesen vielleicht rustikal und scheu. Erstere dagegen mögen erhaben sein, gebildet oder auf andere Weise hochstehend. Eine solche Charakterisierung ist zwar nicht gänzlich falsch, doch äußerst oberflächlich. Was aber ist bezeichnend für die Grauelben, sind sie etwa grau oder die Dunkelelben gar dunkel in Erscheinung oder Gesinnung?
    Zum Verständnis der besonderen Merkmale und Eigenarten der Elbenvölker ist ein Blick in ihre Vergangenheit und Entwicklung unverzichtbar. Daher folgt zunächst ein geraffter geschichtlicher Überblick über die Ursprünge, Wanderungen und Sonderungen der Elbenvölker, im Anschluss daran eine Kurzbeschreibung jedes Volks einschließlich der Auskunft, ob dessen Angehörige im ausgehenden Dritten Zeitalter als Spielercharaktere überhaupt denkbar sind. Die in den folgenden Abschnitten enthaltenen historischen Daten und Hinweise ergeben ein vollständiges, wenn auch grobes Bild elbischer Geschichte. Für eine ausführlichere Darstellung und chronologische Datierung sei auf einschlägige historische Schriften verwiesen, bezüglich des Ersten Zeitalters insbesondere die auf [MOR47] die Annalen von Aman und die [WTJ1] die Grauen Annalen, bezüglich des Zweiten und Dritten Zeitalters auf die [ROK363] Erzählung der Jahre, den Anhang B des Herrn der Ringe.


    1. Über Wanderungen und Sonderungen der Elbenvölker

    Eru alleine schuf Elben und Menschen, welche daher die Kinder Ilúvatars genannt werden. [SIL16] Im dritten Thema der Musik der Ainur erklang sein Wille, demzufolge die Elben als Erstgeborene und später die Menschen als Nachkömmlinge Arda bevölkern sollten. [SIL49] Und so geschah es - im Ersten Zeitalter erwachten im Herzen Mittelerdes, an den Ufern des Cuiviénen (Q. Wasser des Erwachens) die Elben ([WTJ380] zur anfänglichen Dreiteilung dieses Urvolkes aller Elben in die Stämme der Elbenväter (Minyar, Tatyar und Nelyar) siehe 1. a) Über die Legende vom Erwachen der Elben, Threadseite 3, Post #33). [SIL53] Die erste wahre Sonderung der Elben, welche sich selbst Quendi (Q. die Sprechenden) nannten, geschah, als einige unter ihnen sich entschieden, dem Ruf der Valar zu folgen und von den Wassern des Erwachens in den Westen zu ziehen, andere hingegen beschlossen, die Reise nach Aman nicht anzutreten. Alle, die die Große Wanderung vom Cuiviénen begannen, gleichgültig ob sie jemals ans Ziel ihrer Reise gelangten oder nicht, fasst man seitdem unter dem Sammelbegriff Eldar (Q. Volk der Sterne) zusammen (vgl. jedoch die abweichende Definition der Eldar in II. 7.). Die Verweilenden hingegen nennt man die Avari (Q. die Widerstrebenden, Verweigerer).
    [SIL54] Doch unterteilt man die Elbenvölker zuweilen auch anders: Diejenigen Eldar, welche tatsächlich nach Aman gelangten und das Licht der Bäume erblickten, heißen Amanyar (Q. die von Aman) oder Calaquendi (Q. Lichtelben), während alle übrigen, sowohl die Avari als auch die Úmanyar (Q. die nicht von Aman), die Mehrzahl der Teleri also, welche die Reise nicht vollendete, als Moriquendi (Q. Dunkelelben) zusammengefasst werden.

    Die Eldar wiederum bestanden bereits zu Beginn der Wanderung aus drei Gruppierungen, den Vanyar (Q. die Schönen) unter ihrem Fürsten Ingwë, den Noldor (Q. die Weisen) unter Finwë und den Teleri (Q. die Hinteren, die Letzten) unter den Brüdern Olwë und Elwë, und sie gingen teilweise sehr verschiedenen Schicksalen entgegen: [SIL54] Die Scharen der Vanyar und der Noldor erreichten als erste die unsterblichen Lande, die Teleri hingegen säumten mehrmals auf ihrem Weg. [WTJ384] Als sie zum Anduintal gelangten, wagten manche unter ihnen die Übersteigung des Nebelgebirges nicht und wandten sich vom großen Zuge ab. Man nennt sie daher die Nandor (Q. die, die sich abwenden, die Umkehrer). Von diesen blieben einige, die später als Tawarwaith (S. Waldvolk) bezeichnet werden, und von denen die Waldelben des Großen Grünwaldes und die Galadhrim (S. Baum-Volk) Lothlóriens abstammen, in den großen Wäldern östlich des Gebirges. [SIL55] Andere hingegen, die Laiquendi (Q. Grünelben), zogen unter ihrem Fürsten Lenwë südwärts den Anduin hinab und kamen später unter Lenwës Sohn Denethor nach Ossiriand.
    Von denjenigen Teleri, die das Nebelgebirge überschritten hatten, säumten die Sindar (Q. Grauelben) abermals und blieben in Beleriand. Zu ihren Stämmen zählen [WTJ378] die Iathrim (S. die Umzäunten) von Doriath unter ihrem König Elwë, [SIL60] die Falathrim (S. Falas-Volk) der Falas unter Círdan und die [SIL112] Mithrim (S. Grau-Volk), die Grauelben Hithlums. Lediglich ein einziger Stamm der Teleri gelangte unter Olwë schließlich doch nach Valinor, [SIL63] die Falmari (Q. Wellen-Volk) Tol Eressëas und Alqualondes.

    Dies waren die Völker der Elben zum Zeitpunkt ihrer wohl größten Ausbreitung. Allen Elben Beleriands aber erging es schlimm, denn Melkor überzog ihr Land mit Krieg. Dorthin waren in irregeleitetem Stolz und widerwilliger Treue die meisten Noldor aus Aman zurückgekehrt, um eigene Reiche zu gründen und Melkor die geraubten Silmaril zu entreißen. Eines nach dem anderen ihrer Reiche aber fiel, und die heimatlosen und schutzsuchenden Überlebenden verschmolzen wieder mit anderen Elbenvölkern. [SIL100] Die Laiquendi gingen als eigenständiger Volksstamm unter und die wenigen verbliebenen Grünelben in anderen Völkern auf. [SIL253] Die Stämme der Sindar Beleriands vermischten sich wieder, als sie alle sich an den Mündungen des Sirion und zuletzt auf der Insel Balar versammelten, dem letzten Rückzugsort der besiegten Elben Beleriands, wohin sich auch viele Noldor, unter anderen die Flüchtlinge aus Gondolin retteten.
    [SIL260] Die Vanyar hingegen kehrten nur ein einziges Mal von Valinor nach Mittelerde zurück, um im Krieg des Zorns gegen Morgoth zu kämpfen. Die Falmari betraten niemals mehr den Boden Mittelerdes, sie steuerten lediglich die Schiffe, um das Heer des Westens nach Beleriand überzusetzen.
    Als das Erste Zeitalter mit Melkors Niederlage endete und Beleriand versank, kehrte das siegreiche Heer des Westens zurück nach Aman; [SIL263] mit ihm fuhren viele Eldar und ließen sich auf Tol Eressëa nieder.

    [SIL264] Andere jedoch blieben und begrüßten das Zweite Zeitalter in Mittelerde. [SIL295] In Lindon, dem ehemaligen Ossiriand und östlichsten Teil Beleriands, das nicht unter Belegaers Wogen versunken war, wurde Gil-galad der Hochkönig aller Elben. Doch unter den verbliebenen Noldor und Sindar herrschte nicht immer Eintracht, zu tief waren die Wunden der Vergangenheit. [SIL296][NME345] Daher verließen einige Sindar Lindon, zogen ostwärts in die Waldlandreiche der Nandor und wurden dort zu deren Königen und Fürsten wie Oropher im Großen Grünwald oder Amdír als Herrscher der Galadhrim Lothlóriens.
    Die Noldor indes gründeten im Jahre 750 Z.Z. im Land der Hulstbäume westlich des Nebelgebirges ihr letztes eigenes Reich Eregion, [SIL298] das bis 1697 Z.Z. bestand, als Sauron es verwüstete. Wenige entkamen dem Untergang durch die Minen Khazad-dûms nach Lothlórien und verschmolzen mit den Galadhrim, die übrigen überlebenden Hochelben Eregions gründeten unter Führung Elronds die Zuflucht von Imladris.
    [WTJ381] Über das Schicksal der Avari seit ihrer Weigerung, sich auf die Große Wanderung zu begeben, ist kaum etwas bekannt; man weiß nur, dass dann und wann einige aus dem Osten in die Waldlandreiche kamen und in den Völkern der Waldelben aufgingen.

    Und damit endet die Geschichte der Wanderungen und Sonderungen der Elben, denn im Zweiten und Dritten Zeitalter waren sie schwindende Völker, auf Bewahrung und Erhalt bedacht statt auf Eroberung und Ausbreitung, und die einzige Reise, welche sie noch antraten, war die Fahrt von ihren Häfen in den unsterblichen Westen, eine Gnade, welche die Valar ihnen niemals verwehrten. So finden wir im bekannten Westen Mittelerdes am Ende des Dritten Zeitalters, der Spielzeit LOTROs, nur mehr Elben vom Volk der Noldor, der Sindar und der Nandor, oftmals mehr oder weniger vermischt, und kehren damit - ein wenig klüger als zuvor - zu den dieses Kapitel einleitenden Bezeichnungen zurück: Hoch-, Grau- und Waldelben, denen wir uns nun im Einzelnen und von sämtlichen Elbenvölkern am ausführlichsten zuwenden.
    Last edited by Macarusca; Sep 18 2011 at 07:27 AM.

  6. #6

    Idhor Gidinn o Hedhil - Kleine Elbenkunde

    2. Über die Vanyar

    Erscheinung: Hellhäutig, blond- und goldhaarig
    Namhafte Vanyar: Ingwë, Indis, Elemmírë
    Wohnstätten in Mittelerde: Keine

    [WTJ382] Die Vanyar (Q. die Lichten, die Schönen) erhielten ihren Volksnamen vermutlich in frühester Zeit von den Noldor, welche ihre lichte Erscheinung, besonders ihr blondes oder goldenes Haar bewunderten. Als seit jeher kleinstes, doch vornehmstes der Elbenvölker waren die Vanyar auf der Großen Wanderung jederzeit an der Spitze des Zuges und gelangten gemeinsam mit den Noldor als Erste nach Valinor. [SIL61] Mit diesen lebten sie eine Zeit lang in Tirion, der Stadt der Elben auf dem Gipfel des Túna, und Ingwë, König der Vanyar, welcher immer auch als oberster König aller Elben geachtet wurde, wohnte im Mindon Eldaliéva, dem höchsten Turm der Stadt. [SIL64] Mit der Zeit jedoch verließen die Vanyar Tirion und ließen sich auf dem Taniquetil, dem Berg Manwës, und in den Ebenen und Wäldern Valinors nieder, um den Valar näher zu sein.
    [SIL260] Nur ein einziges Mal kehrten die Vanyar in die Hinnenlande zurück - im Krieg des Zorns fochten sie im Heer des Westens, [SIL263] und nach der endgültigen Unterwerfung Melkors zogen sie wieder heim in die Unsterblichen Lande. Kein Elb vom Volke der Vanyar lebt mehr in Mittelerde. Die Verkörperung eines Vanyar-Elben als Spielercharakter ist daher ausgeschlossen.


    3. Über die Noldor

    Erscheinung: Grauäugig, dunkel- oder schwarzhaarig, Finarfins Sippe goldhaarig
    Namhafte Noldor: Galadriel, Glorfindel, Gildor Inglorion, Erestor, Laerdan, Narmeleth
    Wohnstätten in Mittelerde: Lindon, Imladris

    Das nach den Vanyar nächstvornehme Elbenvolk, Gelehrte und Forscher, vortreffliche Handwerker von nimmermüder Schaffenskraft, die Urheber der wunderbarsten Werke der Elben und doch gleichzeitig des größten von Elbenhand ausgehenden Unheils - dies waren die Noldor (Q. die Weisen), ob ihres tiefen Wissens ursprünglich auch Tiefelben genannt, später in Mittelerde hingegen bekannt als die Hohen unter den Elben. Große Verehrung brachten sie Aulë entgegen, und von allen Elbenvölkern standen sie den Zwergen am nächsten.

    J. R. R. Tolkien - Das Silmarillion,
    Quenta Silmarillion, V - Von Eldamar und den Fürsten der Eldalië, S. 62

    [...] die Noldor aber waren Aulës Lieblinge, [...] Groß wurden ihr Wissen und ihre Kunst, doch größer noch war ihr Durst nach immer neuem Wissen, und in vielen Dingen übertrafen sie bald ihre Lehrer. Voller Wechsel war ihre Rede, denn sie hatten eine Leidenschaft für Wörter und wollten immer noch treffendere Namen für alles finden, was sie kannten oder sich dachten. Und so geschah, dass ihre Mauerwerker, [...] (denn sie hatten Freude daran, hohe Türme zu bauen), zuerst die Erdgemmen entdeckten und sie in Myriaden zutage brachten; und sie erfanden Werkzeuge, um die Gemmen zu schneiden und zu formen, [...]

    J. R. R. Tolkien - Das Silmarillion,
    Quenta Silmarillion, XIII - Von der Rückkehr der Noldor, S. 121

    [...] der Unterschied allerdings blieb zwischen ihnen [Noldor und Sindar], dass die Noldor über die größeren Geistes- und Leibeskräfte geboten und die mächtigeren Krieger und Gelehrten waren; und sie bauten mit Stein und liebten die Berghänge und die offenen Lande.
    [SIL62] König der Noldor war Finwë, und seine Söhne waren Fëanor, der größte aller Noldor, aus Finwës erster Ehe mit der Noldo Míriel sowie Fingolfin und Finarfin aus seiner zweiten mit Indis von den Vanyar (daher das im Hause Finarfins verbreitete goldene Haar). [SIL86] Fëanor rebellierte gegen die Valar, verließ Valinor mit seinem Gefolge und zog gegen Melkor in den Krieg um die geraubten Silmaril. Nur widerwillig folgten ihm Fingolfin und seine Getreuen, doch Finarfins Sippe nahm Abstand von den Untaten der Fëanori und blieb in Valinor zurück. [BRF196] Versteht man die frühe Weltgeschichte als biblisch entlehnte Kosmologie und den Auszug aus Valinor als Vertreibung aus dem Paradies, so sind es die Noldor, und allen voran Fëanor, welche die Nemesis des Sündenfalls zu verantworten haben.
    [SIL295] Diejenigen Noldor, die nach dem Fall Melkors und dem Untergang Beleriands in den Hinnenlanden blieben, lebten in Lindon, bis viele im Zweiten Zeitalter das Reich von Eregion gründeten, welches fast eintausend Jahre bestand. [SIL297] Nachdem die von Sauron verführten Elben die Ringe geschmiedet, zuletzt seinen Lug und Trug aber durchschaut hatten, vernichtete der Dunkle Herrscher Eregion. Die Überlebenden, soweit sie nicht nach Lórien entkommen oder nach Lindon zurückgekehrt waren, [SIL298] errichteten die Zuflucht von Imladris, wo Elrond der Halbelb mit vielen der verbleibenden Noldor Mittelerdes im letzten heimeligen Haus bis zum heutigen Tage wohnt.

    Ursprünglich betrachtete Turbine die Noldor (gleichfalls die Sindar, s. u.) nicht als mögliche Spielercharaktere. Die unmissverständliche Beschreibung der LOTRO-Elben aus den FAQ vor Veröffentlichung des Spiels gestattete ausschließlich die Verkörperung eines Wald- oder Grünelben vom Volk der Nandor (vgl. o. II. 1.).

    Turbine - The Lord of the Rings Online,
    Pre-Launch FAQ - Playable Races, Elves

    At the end of the Third Age, the setting of 'The Lord of the Rings Online', the role of the Elves in Middle Earth has diminished and the Age of Men is dawning. Most of the High Kindred of the Elves, the Eldar, have either gone or returned into the West, to the Blessed Land of Aman.
    As such, players will only be able to play one of the lesser races of Elves, the Silvan Elves. They are the ones who tarried during the long voyage west from Cuiviénen, the Water of Wakening where the Elves first awoke. While their kin continued their journey towards Aman, these Elves fell in love with Middle Earth and chose to abide in it, forsaking the journey in the face of the Misty Mountains. Later, some of them still crossed the mountains and, after having journeyed through Eriador, entered Beleriand, where they were called the Green Elves by their Sindarin kin.
    Jedoch haben Realität und Phantasie der Spieler sowie der Reiz der Noldor als dasjenige Elbenvolk mit höchstem dramatischen Potenzial diese ursprüngliche Absicht längst überholt; keine aktuelle Beschreibung der Elben schränkt die Spieler in Bezug auf die Wahl bestimmter Völker mehr ein. So lässt sich feststellen: Die Verkörperung eines Noldor-Elben als Spielercharakter ist durchaus denkbar und möglich.


    4. Über die Sindar

    Erscheinung: Dunkelhaarig, selten silber- oder goldfarbenes Haar
    Namhafte Sindar: Círdan, Celeborn, †Amroth, Thranduil, Legolas
    Wohnstätten in Mittelerde: Lindon, Edhellond, Lothlórien, Düsterwald

    [WTJ410][SIL366] Ihren Namen erhielten die Sindar (Q. Grauelben) von den Exilanten der Noldor, welche damit sämtliche während der Großen Wanderung in Beleriand zurückgebliebenen Teleri bezeichneten. Die Wahl dieser Bezeichnung mag mehrere Gründe haben: Verstanden als Elben der Dämmerung bedeutete sie gewissermaßen eine Mittelstufe zwischen den Licht- und Dunkelelben, den Calaquendi und den Moriquendi (s. o. II. 1.). Vielleicht war der Name auch durch die Mithrim veranlasst, welche die Rückkehrer der Noldor zuerst antrafen, und welche das Land um den gleichnamigen See bewohnten, ein kühles, häufig nebelverhangenes Land mit grauen Himmeln; und graue Gewänder webten die Mithrim zur Tarnung. Womöglich geht die Bezeichnung auch auf Elwë zurück, der vor der Ankunft der Noldor König aller Elben Beleriands war und den Beinamen Thingol (S. Graumantel, Q. Sindacollo) trug.
    [SIL60] Sich selbst nannten die Sindar auch die Eglath (S. die Verlassenen), denn aus Treue zu ihrem vermissten König Elwë oder Liebe zu Wäldern und Küsten blieben sie in Beleriand, während die übrigen Eldar in den Westen fuhren.
    [WTJ384] Die Sindar ähnelten den Exilanten der Noldor, waren im Allgemeinen dunkelhaarig, stark und von großem Wuchs. Lediglich der helle Schein der Augen, der nur jenen zueigen war, die im Lande Aman gewesen waren, fehlte ihnen. Selten war ihr Haar silbern, eine Auffälligkeit bei Elwë und seinen nahen oder entfernten Verwandten wie beispielsweise Círdan oder Celeborn, [HOB179] ausnahmsweise sogar golden wie das Thranduils. [SIL121] Den noldorischen Exilanten waren die Sindar an Gelehrsamkeit und Leibeskraft unterlegen, von beiden jedoch das musikalischere Volk mit den schöneren Stimmen. Sie liebten die Wälder und die Flussufer und sangen auf ihren Wegen, was nicht verwundert - [SIL368] hatten doch bereits ihre Vorfahren, die Teleri, den Gesang geliebt und sich selbst auch als Lindar (Q. Sänger) bezeichnet.

    J. R. R. Tolkien - Das Silmarillion,
    Quenta Silmarillion, V - Von Eldamar und den Fürsten der Eldalië, S. 60

    So kam es, dass die Teleri, die schon immer das Wasser geliebt hatten und unter allen Elben die besten Sänger gewesen waren, hernach die Meere liebten, und ihre Lieder waren voll des Wellenrauschens am Ufer.
    [SIL296][NME343] Zu Beginn des Zweiten Zeitalters zogen viele Sindar ostwärts und gelangten in die Waldlandreiche der Nandor. Diese waren im Vergleich zu den Sindar unwissend und ungehobelt. In Ehrfurcht, doch auch in Freundschaft hießen sie die Ankömmlinge willkommen, denn ursprünglich waren sowohl Sindar als auch Nandor Teleri und damit vom selben Volk. Sie erhoben sie zu ihren Fürsten, Oropher wurde König im Großen Grünwald und Amdír in Lórien, und unter der Führung der Sindar wurden die einfachen und schlichten Waldelben wieder zu geordneten Völkern, deren Klugheit wuchs. [NME346] Thranduil, Orophers Sohn, verlagerte im frühen Dritten Zeitalter sein Reich in den Nordosten des sich verdüsternden Grünwaldes und errichtete seine unterirdischen Hallen nach dem Vorbild Menegroths.
    [NME332] Wegen der Sippenmorde (s. o. I. 4.) hegten die Sindar gegenüber den Noldor auch in späteren Zeiten einigen Groll. Auch ihr Verhältnis zu Zwergen blieb allzeit angespannt. [PME301] Die im Ersten Zeitalter beide Völker bereichernde Handelsverbindung zwischen den Sindar von Doriath und den Zwergen der Ered Luin mündete in eine Katastrophe und vergiftete die Beziehung nachhaltig. [SIL244] Obgleich lediglich die Zwerge aus Nogrod den Tod Elwës und die Plünderung Menegroths verschuldet hatten, belasteten diese unglücksseligen Ereignisse das Urteil der Sindar über alle Zwerge. [HOB196] Eben diesem alten Zwist war es geschuldet, dass Thorin & Kumpanei von den Waldelben des Düsterwalds, insbesondere ihrem sindarischen König Thranduil, nicht gerade gastfreundlich behandelt wurden. Allzugerne und rasch befanden die Sindar die Zwerge sogar für solche Übel verantwortlich, deren Urheber sie in Wirklichkeit gar nicht waren; [FTR358] nach der Befreiung eines Balrogs unter den Minen Khazad-dûms verboten die Galadhrim den Zwergen den Eintritt nach Lórien, [FTR371] und später, als die Gefährten dort von ihrem Schicksal berichteten, erzürnte sich Celeborn, ein Sinda, gegenüber Gimli, wohingegen Galadriel, eine Noldo, gefasst und verständnisvoll blieb.
    Der Verkörperung eines Sindar-Elben als Spielercharakter in LOTRO schließlich steht nichts im Wege (vgl. o. über die Noldor).

 

 

Posting Permissions

  • You may not post new threads
  • You may not post replies
  • You may not post attachments
  • You may not edit your posts
  •  

This form's session has expired. You need to reload the page.

Reload